KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center
20 Jahre Filmsymposium

 

25 Jahre filmkundliche Symposien in Mannheim
1986 – 2010

 

Von einer No-Budget Sichtveranstaltung zum anerkannten Symposium mit Tradition:
Eine Bilanz

 

 

Wer hätte gedacht, dass aus einer Idee von Heiner und Marion Roß, sich jenseits von Alltagsarbeit und Funktionärsaktivitäten einmal zum Sichten und Diskutieren von Filmen zu treffen, eine Reihe von fast 25 filmkundlichen Symposien werden wird?

 

Tolle Mähne
Der Autor dieses Rückblicks im Jahr 1988, passend frisiert für die "Die 50er Jahre im Kino"

Im Juni 1986 erschien anlässlich des Symposiums der Stiftung Deutsche Kinemathek ein Filmkatalog der SDK/DIF und den Teilnehmern - im Wesentlichen Mitarbeitern von kommunalen Kinos aus der damaligen alten Bundesrepublik - wurden eine Reihe weniger bekannte Filme aus dem Katalog vorgestellt. Katalog und Filmpräsentation begeisterten die Teilnehmer so sehr, dass die Forderung nach "mehr" aufkam. Da ich damals in Personalunion Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der kommunalen Filmarbeit und des Mannheimer kommunalen Kinos Cinema Quadrat war und die Internationale Filmwoche in Mannheims im Oktober regelmäßig von Montag bis Samstag stattfand, kam die Idee, sich doch am Wochenende vorher in unserem Kino zu treffen um "noch mehr Filme zu sehen". So kam es zu einer ersten Sichtungsveranstaltung unter dem Titel "Vom Stummfilm zum Tonfilm" und mit ausgewählten Filmen aus der Epoche 1928 bis 1932.

 

Ein Budget hatten wir nicht. Die Archive stellten die Filme freundlicherweise kostenlos zur Verfügung in der Hoffnung, dass damit die Filmausleihe angekurbelt werde. Der noch sehr bescheidene Organisationsaufwand wurde von Cinema Quadrat ehrenamtlich übernommen. Statt Öffentlichkeitsarbeit gab es einen Rundbrief und etwas Mundpropaganda. Trotzdem war die Veranstaltung ausgezeichnet besucht und die Teilnehmer verlangten eine Fortsetzung.

 

Über 10 weitere Jahre wurden dann die sogenannten filmkundlichen Symposien in Mannheim schrittweise ausgebaut. Dabei gab es immer noch keinen festen Etat. Mit den Verleihen und Archiven wurde um günstige bis kostenlose Filmüberlassung gerungen, die Referenten erhielten ein Taschengeld. Vereinzelt wurde aber auch für ein besonderes Thema ein Sponsor oder ein mit einem Zuschuss auftretender Kooperationspartner gefunden. Gleichzeitig weitete sich die Veranstaltungsreihe aus.

Gleißende Schatten

Seit dem 7. Symposium (1992) werden jährlich umfangreiche Dokumentationen erstellt. Das 9. Symposium (1994) fand einen Rahmen in einer großen Kulturveranstaltung im Rhein Neckar Dreieck zur "Kunst und Kultur der 20er Jahre" und erhielt aus diesem Topf einen kleinen Zuschuss. Das 10. Symposium (1995) fand in Kooperation mit dem japanischen Kulturinstitut Köln und der Japan-Foundation statt und führte den japanischen Regisseur Nagisa Oshima nach Mannheim. Eine Vielzahl von Filmen wurde damals eigens für das Symposium und für eine anschließenden Filmtournee aus Japan eingeflogen.

 

Nach diesen Erfolgen und daraus gewachsenen Ansprüchen konnte die Veranstaltung nicht mehr ohne eigenen Etat und Fördermittel auskommen. Die Organisationsarbeit hatte sich verzehnfacht, die Ansprüche der Teilnehmer stiegen, eine regelrechte Öffentlichkeitsarbeit erschien notwendig.

 

Mit einer eigens hierfür zusammengestellten Dokumentation über die Arbeit der vergangenen 10 Jahren machte ich mich Ende 1996 auf die Suche nach Geldgebern. In der MFG-Filmförderung Baden Württemberg fanden wir einen interessierten und engagierten Partner und erhielten einen ersten Zuschussbetrag, der es uns ermöglichte, den Autoren ein etwas besseres Honorar zu zahlen, ein Plakat zu drucken und die gesamte Arbeit auf professionelle Füße zu stellen. Seither ist uns die MFG als Förderer geblieben, andere wie die FFA und der/die BKM kamen zeitweise oder in einzelnen Jahren hinzu. Außerdem konnten Firmen wie die BASF, KODAK und die Eichbaum-Brauerei als verlässliche und treue Sponsoren gewonnen werden.

 

Orson Welles Revisited

Zu Beginn erfassten die Veranstaltungen verschiedene Epochen der Filmgeschichte: Vom Stummfilm zum Tonfilm (1986), dem Nachkriegsfilm 1945 – 1955 (1987), den 50er Jahren (1988), dem Hollywood-Studio-System 1930-1960 (1989), dem amerikanischen (1990), und dem französischen Stummfilm (1991).

 

Drei Mal - 1994 mit den frühen Kamera-Pionieren, 1995 mit Nagisa Oshima und 2002 mit Orson Welles standen bedeutende Persönlichkeiten im Mittelpunkt der Vorträge und Filmsichtungen. Eine Zeit lang beschäftigten wir uns dann mit Einzelaspekten der filmischen Umsetzung: dem Ton (1996), der Lichtsetzung (1998) und der Fotografie, also dem Kontrast zwischen stehendem und bewegtem Bild (1999).

 

Seit dem Jahr 2000 sind die Themen fast philosophischer Natur wie die Reflexion über das Phänomen der "Zeit im Film" (2000), über die Grenzen der Realität (2001), über "Wahrnehmung und Gestaltung" (2003), "Filmische Selbstreflexionen" (2004) und die "Suche nach der Authetizität im Film" (2005). Weitere Theman waren „Der filmische Raum“, die Beschäftigung mit der Geschichts-darstellung in Filmen: Erinnern - Vergessen – Verarbeiten (2007), „Eros und Tod“ (2008) und der Aktualität geschuldet: „Digitale Welten (2009), wobei wir jenseits der Technik die Frage stellten, inwieweit die Gigitalisierung inhaltlich oder ästhetisch Neues bietet.

 

Von Anfang an ist der BV kommunale Filmarbeit Mitveranstalter und Partner von Cinema Quadrat. Mit dem BV Kamera (seit 1998), dem BV Filmschnitt-Editor (seit 1999) und immer wieder einzeln hinzukommenden Verbänden und Gruppierungen (1991 Deutsche Gesellschaft für Fotografie, 2005 die AG-DOK) wurden weitere Kooperationspartner gefunden, die teilweise durch die Vermittlung von Referenten, teilweise durch die Mobilisierung von Teilnehmern die Symposien nachhaltig mitprägten. Gerade die Vertreter aus dem produktiven Bereich (Kamera/Schnitt) bieten einen Kontrast zu ähnlichen Veranstaltungen aus dem Bereich der Medien-Wissenschaft und Filmkritik. Der "Dialog zwischen Produktion und Rezeption" ist damit gewissermaßen zum Markenzeichen der Symposien in den letzten 8 Jahren geworden.

 

Der Erfolg von 25 Jahren kontinuierlicher Arbeit fordert heraus, weiter zu machen und wir wünschen uns hierfür Teilnehmer, die unsere Arbeit schätzen und Geldgeber, die sie möglich machen, damit wir weiter auf hohem Niveau - aber auch für interessierte Laien verständlich - inhaltlich über Film reflektieren und seltene Filme sichten können.

 

Peter Bär